In The Cut

© Pathé Schweiz / Sony Pictures Switzerland

In The Cut
USA, GB Australien 2003 | 114 Minuten
Triller, Liebesdrama
IMDb: 5.4 | Meine Bewertung 4.0 von 5.0

Regie: Jane Campion; Drehbuch: Jane Campion, Susanna Moore; Kamera: Dion Beebe; Schnitt: Alexandre de Franceschi; Cast: Meg Ryan (Frannie Avery), Mark Ruffalo (Giovanni Malloy), Jennifer Jason Leigh (Pauline), Nick Damici (Ritchie Rodriguez), Sharrieff Pugh (Cornelius Webb), Kevin Bacon (John Graham).


© Pathé Schweiz / Sony Pictures Switzerland | Movie Poster


 

Zu seiner Zeit wurde IN THE CUT falsch gelabelt und deshalb von vielen Zuschauerinnen und Zuschauern mit den falschen Erwartungen betrachtet. Jane Campion unterläuft die Konventionen des Erotikthrillers bewusst und erzählt stattdessen einen düsteren Film über sexuelles Begehren, Intimität und Misstrauen. Mit zeitlichem Abstand wurde das Werk zunehmend neu bewertet – nicht zuletzt wegen Meg Ryans mutiger Darstellung einer verletzlichen, komplexen und erwachsenen Frau.


Ein Flop mit Ansage

Ein Film hat ein grundlegendes Problem, wenn Publikum und Kritik mit starren Erwartungen an ihn herantreten und sich von ihren Vorurteilen und festgefahrenen Vorstellungen nicht lösen können. Als Jane Campions IN THE CUT im Jahr 2003 erschien, löste er grosse Irritationen und Ablehnung aus, weil die Regisseurin bewusst Risiken einging und nahezu alle Erwartungen unterlief. Entsprechend schlecht wurde der Film besprochen. Eigentlich hatte er von Anfang an kaum eine Chance, positiv aufgenommen zu werden – der Flop schien bereits vorprogrammiert.

Betrachtet man den damaligen Trailer, gewinnt man zunächst den Eindruck, es handle sich um einen typischen Erotikthriller der Marke BASIC INSTINCT (1992) oder WILD THINGS (1998). Doch IN THE CUT unterscheidet sich maximal von den genannten Beispielen. Auch die Besetzung sorgte für Verwunderung. Meg Ryan war in den 1990er-Jahren vor allem für romantische und enorm erfolgreiche Liebeskomödien bekannt. Doch offenbar hatte sie keine Lust mehr, dem festgefahrenen Image der zugänglichen und humorvollen Frau zu entsprechen, und bürstete ihre Leinwandfigur konsequent gegen den Strich.

Fast scheint es, als wolle der Film keine Erwartungen erfüllen. Die Meg-Ryan-Fans wurden enttäuscht, weil dies kein typischer Meg-Ryan-Film ist. Die Thriller-Fans wurden enttäuscht, weil der Film kaum an den Konventionen des Genres interessiert ist. Die Liebesfilm-Fans wurden enttäuscht, weil Romantik auf der Strecke bleibt. Und Freunde klassischer Studiofilme wurden von dem düsteren, gewalttätigen und sexualisierten Milieu abgeschreckt.

Informiert man sich heute über den Film, schlägt einem noch immer viel Ablehnung entgegen. IMDb kanzelt ihn mit einem schwachen Punkteschnitt von 5.4 Punkten (von 10 Punkten) ab und bei Rottentomatoes.com fällt der Film mit einem lausigen Wert von 35% bei 179 Filmkritiken durch. Besonders die Thriller-Elemente wurden kritisiert: Zu wenig Spannung, eine konstruierte Handlung und ein bewusst sperriger Erzählstil. Der Kritiker David Denby schrieb damals im New Yorker einen Verriss: «Creep Show. Der Film ist absolut souverän inszeniert und in sich stimmig, und doch ist der Film – abgesehen von einer einzigen schauspielerischen Leistung – furchtbar: ein Thriller ohne kleine Freuden, ohne Humor und ohne auch nur einen Hauch von alltäglicher Realität.» Bei seiner Erstveröffentlichung schlug dem Film und Meg Ryan eine regelrechte Welle der Empörung entgegen. Mit zeitlichem Abstand wurde IN THE CUT jedoch zunehmend besser bewertet. Aus meiner Sicht verdient der Film eine genauere Betrachtung, weil er ein mutiger und höchst interessanter Beitrag zwischen Erotikthriller, Charakterstudie und Autorenkino ist.

Wenn das Genre zur Falle wird

Tatsächlich macht es einem dieser schwer greifbare Hybrid aus Kriminalfilm, Thriller, Liebesdrama und Charakterstudie nicht leicht. Einerseits finden sich zahlreiche Genrespuren, andererseits muss hinter jede Genrebezeichnung ein dickes Aber gesetzt werden. Von seiner äusseren Form her wirkt der Film zunächst wie ein Thriller. Er arbeitet mit bekannten Versatzstücken des Genres und ist entsprechend konstruiert und inszeniert. Wer ihn jedoch primär als Thriller liest, dürfte enttäuscht werden, denn Spannung steht nicht im Mittelpunkt und die Auflösung ist leicht durchschaubar. Zwischen den Hauptfiguren entwickelt sich nie jene nervenaufreibende Dynamik, die man etwa aus BASIC INSTINCT kennt.

Gleichzeitig ist der Film aber auch kein romantisches Liebesdrama. Zwar steht die Beziehung zwischen Frannie (Meg Ryan) und Malloy (Mark Ruffalo) im Zentrum, doch auch diese Genre-konventionen erfüllt Jane Campion nur bedingt. Gerade darin liegt für mich der grösste Reiz des Films, denn seine interessantesten Aspekte verbergen sich in der komplexen Beziehungsdynamik seiner Figuren.

Ausnahmsweise bieten sich deshalb zwei verschiedene Inhaltsangaben an. Sie machen deutlich, dass der Film sowohl Thriller als auch als Liebesdrama funktioniert, jedoch nie ganz im jeweiligen Genre aufgeht. Dabei liefert der Thriller die äussere Struktur, während das Liebesdrama die eigentlichen Themen verhandelt.

Schwerpunkt: Thriller

In New York treibt ein brutaler Serienkiller sein Unwesen und ermordet Frauen auf grausame Weise. Während der Ermittlungen wird die Literaturprofessorin Frannie in den Fall hineingezogen, nachdem Leichenteile einer ermordeten Frau in ihrem Garten gefunden wurden und sie vom Polizeidetektiv Giovanni Malloy befragt wird. Als Frannie erfährt, dass die Tote kurz vor ihrem Tod sexuellen Kontakt mit Malloy hatte, beginnt sie, ihn zu verdächtigen. Trotzdem kommen die beiden zusammen, doch ihre Beziehung wird zunehmend von ihrem Verdacht überschattet. Es entsteht eine klassische whodunit-Situation, in der sich die Frage stellt, ob sich Frannie auf einen brutalen Serienkiller eingelassen hat.

Schwerpunkt: Liebesdrama

Die einsame Literaturprofessorin Frannie ist von ihren schlechten Erfahrungen mit Männern geprägt und lebt entsprechend zurückgezogen. Als sie dem attraktiven, aber geheimnisvollen Polizeidetektiv Malloy begegnet, fühlt sie sich sexuell stark zu ihm hingezogen. Trotz ihrer Faszination erschweren alte Verletzungen aus der Vergangenheit ihr Vertrauen und das emotionale Sich-Einlassen. Nach und nach wächst in ihr der Verdacht, dass Malloy nicht mit offenen Karten spielt und sie in ein gefährliches Spiel verwickelt sein könnte.


Dabei liefert der Thriller die äussere Struktur, während das Liebesdrama die eigentlichen Themen verhandelt.


Anhand dieser Unterscheidung wird schnell deutlich, welche Aspekte des Films subjektiv reizvoll sein können – auch wenn beide Genres miteinander verflochten bleiben. Was mich IN THE CUT besonders angesprochen hat, ist die Beziehungsdynamik zwischen Frannie und Malloy. Es ist ein Film über zwischenmenschliche Beziehungen, der ein desillusioniertes Gefühl verbreitet. Im Zentrum stehen Intimität, sexuelle Anziehung, Angst und Misstrauen. Es ist ein erwachsener Liebesfilm, in dem Zweifel klar über Romantik oder klassischem Herzklopfen stehen. Zwar lässt sich das Werk am ehesten als Liebesdrama lesen, doch auch diese Einordnung greift letztlich zu kurz und weckt falsche Erwartungen – vor allem wegen des starken Fokus auf den sexuellen Aspekt der Beziehung.

Gerade diese Sexualität wirkt zugleich irritierend, abstossend und faszinierend: Die Darstellung ist explizit, roh, vulgär und sprachlich wie visuell ungefiltert. Die Figuren sprechen offen und direkt über Sex, eingebettet in die düstere, ungeschönte New Yorker Atmosphäre des Films. In der umstrittenen Schlüsselszene (Minute 8) beobachtet Frannie in einem dunklen Keller einer Bar einen sexuellen Akt: Ein Mann erhält von einer Frau einen Blowjob. Nur wenige Hollywoodfilme wagen eine derart explizite Darstellung von Sex. Die Szene wirkt bewusst unverstellt und gleichzeitig fragmentiert, da der Film mit Dunkelheit arbeitet und die Kamera so nah herangeht, dass nur Ausschnitte erkennbar bleiben. Die Identität der Beteiligten bleibt jedoch verborgen, gibt aber gewisse Hinweise. Wie das Publikum im Kinosaal wird auch Frannie zur stillen Beobachterin des Geschehens. Sie kann den Blick nicht abwenden und wird selbst zur faszinierten Voyeurin dieser Situation.

Die Sexualität IN THE CUT ist dabei durchgehend sehr körperlich und direkt inszeniert. Erotik entsteht über unmittelbare Nähe. Die Kamera gleitet häufig über die Körper, bleibt an der Haut, registriert Atem, Bewegung und physische Reaktionen. Diese forsche, beinahe klebende Kameraarbeit erzeugt eine intensive, manchmal fast unangenehme Körperlichkeit. Insgesamt inszeniert Jane Campion Sexualität konsequent roh, direkt und körpernah.

Meg Ryan darf endlich Erwachsen-Werden

IN THE CUT war für Meg Ryan ein künstlerischer Befreiungsschlag aus der Sackgasse ihrer Karriere. Sie war nicht die erste Schauspielerin, die in Hollywood einen Imagewechsel anstrebte und damit versuchte, sich ein diverseres Rollenprofil zuzulegen, um nicht immer auf dieselben Figuren festgelegt zu werden. Der Versuch, aus diesem engen Rollenkorsett auszubrechen, scheitere jedoch auf der ganzen Linie, und die Anerkennung einer grossen Schauspielleistung wurde ihr lange Zeit verwehrt.

Meg Ryan gehörte in den 1990er-Jahren zu den grössten Filmstars der Welt und kassierte pro Film etwa 10 bis 15 Millionen Dollar. Das Publikum liebte sie in romantischen Komödien wie WHEN HARRY MET SALLY (1989), SLEEPLESS IN SEATTLE (1993) oder FRENCH KISS (1995). Ihr Marktwert war deshalb fast vollständig auf das Genre der Liebeskomödie beschränkt, in dem sie ihre Stärken ausspielen konnte. Als «America’s Sweetheart» verkörperte sie das «Girl Next Door» – stets zugänglich, verletzlich, attraktiv und sympathisch. Gerade in SLEEPLESS IN SEATTLE funktionierte sie so gut, weil das Publikum ihr beim Verlieben zuschauen wollte.

Wegen ihr ging man ins Kino, und genau daraus entstand so etwas wie eine «Meg-Ryan-Formel». Man wusste, was man bekam: Romantische Atmosphäre, emotionale Wärme, bittersüsse Gefühle und ein hoffnungsvolles Weltbild. Sie funktionierte zeitweise fast wie ein eigenes Genre. Aufreizendes oder Erotisches blieben dabei weitgehend ausgeklammert – entsprechend stark war das Bild einer gewissen Unschuld.

Das Problem war die extreme Fixierung auf diesen einen Rollentyp. Kaum ein anderer Superstar der 1990er-Jahre war so eng mit einer einzigen Figur verbunden. Sobald sie dieses Feld verliess, wurde es schwierig. Ihr makelloses Image bekam um 2000 Risse: Die Affäre mit Russell Crowe, die Scheidung von Dennis Quaid, der Niedergang der Romcom-Ära und schlicht ihr Älterwerden. Ryan steuerte mit etwa 40 in eine Sackgasse, ihre Karriere drohte zu enden. IN THE CUT bot ihr die Chance, diesen gesamten Ballast ihres Images endlich abzuwerfen, deshalb strebte sie mit dem Film den Imagewechsel aktiv an und zertrümmerte ihr harmloses Romcom-Image. Sie selbst lehnte diese Festlegung schon länger ab, da sie ihr «keinen Raum für die Entfaltung einer Figur» lasse.

Aus der stereotypen Romcom-Figur wird in IN THE CUT eine erwachsene, psychisch vielschichtige Frau. Dieser Bruch wirkte wie eine bewusste Destruktion des bisherigen Images – und zugleich wie ein Befreiungsschlag, weil Ryan endlich mehr zeigen konnte als die immer gleiche Seite. Die Reaktion der Öffentlichkeit fiel jedoch brutal aus. Als hätte sie ihr Publikum persönlich beleidigt, wurde die neue Meg Ryan kaum akzeptiert. Das Publikum wollte weiterhin das vertraute Sweetheart sehen und zeigte keine Freude an ihrem Rollenwechsel.

Mit ihrer Besetzung gingen die Macherinnen ein erhebliches kommerzielles Risiko ein. Finanziell blieb der Film hinter seinen Erwartungen zurück. Später bezeichnete Ryan die Kritik als bösartig und unfair. Ursprünglich war Nicole Kidman für die Rolle vorgesehen, die für solche gebrochenen Figuren bekannt war. Rückblickend lässt sich sagen, dass spätestens mit diesem Film das lange gepflegte «America’s Sweetheart»-Image endgültig zerbrach und sie ihre Unschuld verlor.

Das weibliche sexuelle Begehren

Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung, dass sich eine Regisseurin in einem Thriller mit dem sexuellen Begehren einer Frau auseinandersetzt. Ein Drama wäre auf den ersten Blick der naheliegendere Weg gewesen, dieses Thema zu behandeln. Doch die Wahl des Thrillers scheint bewusst getroffen. Die Spannung entsteht aus der Beziehungsdynamik zwischen Malloy und Frannie, die aus der ungewöhnlichen Perspektive einer Frau erzählt wird. In IN THE CUT erscheint Sexualität dabei permanent unsicher und bedrohlich. Die Figuren suchen Nähe, finden jedoch kaum Vertrauen.

Frannie ist ein schwermütiger Mensch, eine fragile und verstörte Frauenfigur, die tiefe emotionale Verletzungen mit sich herumträgt. Aufgrund der gemachten Erfahrungen wirkt sie unsicher und misstrauisch. Nur selten hellt sich ihr Gesicht durch ein Lächeln auf. Sie strahlt Enttäuschung aus, wirkt introvertiert, verloren, sexuell neugierig und zugleich emotional abgeschnitten. Frannie bleibt verschlossen und lässt weder die Menschen in ihrer Umgebung noch das Publikum wirklich an ihr Inneres heran. Dadurch bleibt sie schwer greifbar. Nur auf sexueller Ebene lässt sie sich auf Malloy ein.

Die beiden Halbschwestern Frannie und Pauline (Jennifer Jason Leigh) stehen exemplarisch für die unterschiedlichen Formen weiblichen Begehrens. Obwohl sie sich emotional nahestehen und offen über Sexualität sprechen, vertreten sie gegensätzliche Vorstellungen von Liebe. Beide sind um die vierzig und befinden sich an unterschiedlichen Punkten ihres Lebens. Pauline glaubt trotz zahlreicher Enttäuschungen weiterhin an die grosse Liebe und hofft, eines Tages noch einmal zu heiraten. Frannie scheint mit dieser Vorstellung zumindest vorübergehend abgeschlossen zu haben.

In The Cut mit Meg Ryan und Jennifer Jason Leigh

© Pathé Schweiz / Sony Pictures Switzerland

Pauline wirkt verzweifelt, sucht beinahe zwanghaft nach einem Partner und zeigt sich gegenüber sexuellen Beziehungen zu Männern sehr offen. Frannie hingegen begegnet der Männerwelt mit Ambivalenz. Der Film deutet an, dass sie schwere Enttäuschungen erlebt hat. John Graham (Kevin Bacon) hatte offenbar eine Affäre mit ihr, doch Frannie will nichts mehr von ihm wissen. Nun bedrängt er sie und verfolgt sie auf unangenehme Weise. Auch einem jüngeren Studenten begegnet sie immer wieder. Die Treffen sind zwar beruflicher Natur, doch zwischen beiden liegt eine unterschwellige sexuelle Spannung. Später versucht er, sie zu vergewaltigen.

Sehr bezeichnend für ihre Rollen ist folgender Umstand: Während Frannie von einem Arzt gestalkt wird, wird Pauline selbst zur Stalkerin eines Arztes. Sie hatte eine Affäre mit einem verheirateten Mediziner, wurde jedoch von ihm abserviert. Pauline bringt ihre Verzweiflung drastisch auf den Punkt: «Ich mache alles, um einen Penis reinzukriegen.» Sie scheint nach jedem Strohhalm zu greifen und macht sich dadurch emotional abhängig. An anderer Stelle sagt sie: «Ich weiss von jedem Typen, wie er es am liebsten hat. Nur von mir selbst nicht.» Pauline findet keine Erfüllung ihrer sexuellen Bedürfnisse, weil sie den passenden Partner nicht trifft.

Mit der Begegnung mit Giovanni Malloy beginnt Frannies sexuelles Interesse aufzuleben. Zunächst begegnet sie ihm mit grossem Misstrauen. Während einer Befragung treffen die beiden erstmals aufeinander, und ihre Faszination für den jüngeren, attraktiven Mann ist spürbar. Hinzu kommt, dass Frannie glaubt, ihm bereits in jener Keller-Szene erkannt zu haben, in der sie Zeugin eines sexuellen Akts wurde. Den Mann hatte sie damals nicht direkt gesehen, doch er sass selbstbewusst da, rauchte und liess sich von einer Frau oral verwöhnen. Sein markantes Tattoo verriet ihn.

Malloy strahlt eine mysteriöse Gefährlichkeit und Unberechenbarkeit aus, die zugleich faszinierend ist. Schliesslich verdächtigt Frannie ihn, der gesuchte Serienmörder zu sein. Einmal erscheint er in ihrem erotischen Traum. Angeregt von der Erinnerung an die Keller-Szene fantasiert Frannie von ihm und masturbiert. Im Gegensatz zu Graham, der ihr unsicher und unterwürfig nachhechelt, tritt Malloy selbstbewusst, dominant und schroff auf – Eigenschaften, die Frannie anziehen. Bei einem Treffen bietet er ihr unverblümt Sex an. Er versichert ihr zwar, sie nicht zu schlagen, doch zugleich geht von ihm die Möglichkeit aus, sie zu töten und zu zerstückeln.

Frannie bleibt ihm gegenüber verängstigt und misstrauisch, dennoch sind ihre Begegnungen von erotischer Spannung geprägt. Die Kamera sucht dabei immer wieder körperliche Nähe, gleitet über Haut und Gesicht und macht Frannies Wahrnehmung erfahrbar. Schliesslich kommt es zum Sex, den Malloy aktiv vorantreibt. Er ist draufgängerisch und bestimmend, besitzt aber zugleich eine sensible und empathische Seite. Während einer Autofahrt hat er telefonischen Kontakt mit Frannie; dabei dominiert Malloy das Geschehen und gibt ihr sexuelle Anweisungen zur Selbstbefriedigung.

Campion verbindet das emotionale Misstrauen, die Unberechenbarkeit einer Beziehung mit der existenziellen Angst eines Thrillers. Frannie bewegt sich in einem ständigen Wechselspiel aus Vertrauen und Misstrauen, zieht sich zurück und lässt sich zugleich immer wieder auf ihn ein. Dieses Wechselspiel wird analog dazu mit dem Misstrauen und dem Verdacht eines Thrillers zusammengebracht. Eine intime Beziehung mit jemandem zu haben, heisst immer Risiken einzugehen und die Gefahr zu laufen, weitere Verletzungen zu erfahren. Der Film übersetzt dieses unterschwellige Misstrauen in die Form eines Noir-Thrillers. Die Stimmung bleibt häufig düster – nächtliche Strassen, Regen, dunkles Bild, wenig ist erkennbar. Eine Öffnung kommt so nicht auf. 

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